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Adolf Muschg

Adolf Muschg am 31.8.08 an Erich Schmid


Warum mich Ihr Film über Max Bill bewegt hat:

Gesucht wird darin eine verbindliche Gestalt
nicht der eigenen Person
sondern des Guten Lebens in einer konfusen Zeit

Bills Kunst ist die eines versprengten Klassikers: sie verbindet (wie Musils "Mann ohne Eigenschaften) "Genauigkeit und Seele"

Er formte Gegengewichte, sichtbar, tastbar, begehbar
gegen die Ausbreitung der Beliebigkeit

das Ungefähre widerstand ihm
er widerstand dem Ungefähren

er hatte Prinzipien im Wortsinn, das heißt
er suchte neue Anfänge, plausible und unverhoffte, sehenswerte und glaubwürdige,
und vergütete sie durch Arbeit

Ihr Film geht dieser Arbeit nach
forschend, bescheiden, gewissenhaft.
Er versteht sich als fortgesetzter Teil von ihr
nimmt zugleich Anteil daran.
Und dieser Anteil teilt sich mit.

Je besser Bills Lebensarbeit zu sehen ist, desto frischer wirkt sein Werk.

Von sich selbst macht der Film nichts her:
Ein schwankender Spiegel
Würde die Bewegung, die er am Werk zeigt, Bills Werk,
unlesbar machen,
auf sie aber kommt es an, und so zeigt der Film auch das Unvermutete:

ich habe Bill gekannt
so sehe ich ihn zum ersten Mal.
Jetzt interessiert er mich, denn ich habe ihn nicht gekannt.

Der Film zeigt mir: nichts an diesem Leben lag auf der Hand,
und dass das Werk so aussieht, als läge es eben dort,
so ist diese vollendete Täuschung
die einzige, der sich die Kunst nicht zu schämen braucht,

und am Ende der Vollendung
kommt die ruhige Bewegung ihrer Objekte
im Filmzuschauer wieder dort an,
wo sie im Künstler entsprungen sein muß:
einem erschütterten Zentrum
der Person.
 


Jean Ziegler am 3.9.2008 an Erich Schmid


Lieber Erich,

Dein Film ist ein Meisterwerk. Klug, ergreifend und zutiefst überzeugend. Max Bill bleibt einer der ganz wenigen grossen Künstler des Jahrhunderts. Ein Revolutionär der Formen… und des Geistes. Ich erinnere mich genau, und mit Dankbarkeit, an unsere Gespräche im Bundeshaus. Es war im Nationalrat eine schwierige Zeit für mich. Max Bill – zu gross und bedeutend für die Schweizer Politik, für die helvetische Händlerrepublik – hat mir starken Beistand geleistet, mit seiner Ironie, seiner Warmherzigkeit. – Ich bewundere Deinen Film.

Herzliche Grüsse
Jean


Mario Botta am 26. Dezember an Angela Thomas

Faksimile Brief Mario Botta



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