Max Bill – the master's vision

(Max Bill – das absolute Augenmass)

Music / Soundtrack


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andré bellmont, composer and direction
daniel schenker, trumpet
christoph grab, tenor sax
adrian frey, piano
dominique girod, bass
elmar frey, drums
jazz-quintet zusammengestellt von daniel schenker


Titelbild Ideales Heim

aus: Ideales Heim 06/2008

Wenn Bill zu Klängen wird


Zum hundertsten Geburtstag der Gestalterlegende Max Bill hat Dokumentarfilmer Erich Schmid ein Porträt gezeichnet. Es soll dem Publikum den Künstler und Politiker näherbringen. Der Film wurde während einer Livesession im Studio Maur bei Zürich mit Musik von Jazz-Professor André Bellmont unterlegt.

Ein Report. Text: Adrian Schräder / Fotos: Ona Pinkus

Wenn Filmer Erich Schmid den Namen Max Bill ausspricht, schwingt eine enorme Portion Respekt mit. Sehr oft nennt er ihn an diesem Samstagmorgen, immer wieder gestärkt durch kräftige Bisse in einen Apfel. Wir sitzen im Aufenthaltsraum der Powerplay Studios in Maur. Draussen vor dem Fenster liegt der Greifensee, drinnen, im Studio 1, nimmt eine Truppe von Jazzern die Musik zu Schmids Kinofilm »Bill – das absolute Augenmass« auf.

Gold- und Platinauszeichnungen von Künstlern wie Chris de Burgh, Gianna Nannini und Sina hängen an der Wand. Relikte aus besseren Zeiten, als sich mit Musik noch richtig viel Geld verdienen liess und Studios wie dieses ständig ausgebucht waren. Ums Geldverdienen geht es beim Projekt des Zürcher Dokumentarfilmers Erich Schmid, der sich mit Filmen wie »Meier 19« und »Er nannte sich Surava« einen Namen machte, nicht. Nur jenes, das ihm nicht zu gesprochen wurde, fand denn auch Eingang ins Gespräch. Viel zu wenig habe er erhalten, klagt er gleich zu Beginn. Dabei sei Bill doch eine so wichtige Figur. Jemand, der Massstäbe gesetzt habe, in ganz verschiedenen Bereichen.

Sechs Jahre hat Schmid insgesamt in das Projekt investiert. Eigentlich wollte er einen Kriminalroman fertig schreiben. Doch als er zu ahnen begann, dass sich sowohl die offizielle Eidgenossenschaft, wie auch die grossen Museen dieses Landes den diesjährigen hundertsten Geburtstag kaum begehen wollten, änderte er seine Prioritäten. »Bill ist einfach noch nicht gegessen «, sagt Schmid, Apfel kauend. »Sein gesamtes Wirken kann uns als Sinnbild für die Zukunft dienen. Er hat bei all seinen Tätigkeiten, sei's in der Bildhauerei, in der Malerei, in der Architektur, aber auch in der Politik und im Design, die Schönheit in der Reduktion gesucht. In diesem Punkt hat er Massstäbe gesetzt. Mein Film will diesem Ansatz ästhetisch gerecht werden.«

Bill bleibt lebendig
Schmid hat ein besonderes Verhältnis zu Bill. Seit zehn Jahren wohnt er im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des vielseitigen Schweizer Künstlers in Zumikon, in Partnerschaft mit dessen Witwe Angela Thomas. Thomas, eine Kunsthistorikerin und ehemalige Assistentin Bills, schreibt an einer Biografie, er selbst wählte das bewegte Bild. Die eigentlich vorgesehenen Reisen nach Japan und Lateinamerika, wo Bill Designschulen begründet hat, fielen den Budgetkürzungen zum Opfer. Schmid beschränkte sich auf Interviews mit Zeitzeugen, Schauplätze und die Auswertung von 185 Stunden Film- und Tonmaterial aus den Archiven europäischer Fernseh- und Radiostationen. »Ich wollte ihn nicht zu einem steinernen Denkmal machen, sondern ihn auf Augenhöhe zeigen, sodass der Zuschauer mit Bill in einen Dialog treten kann.«

Den Takt finden
Der Film ist bereits fertig und soll im September in den Schweizer Kinos anlaufen. Exakt in jenem Raum, in dem die schwedische Rockgruppe Europe 1986 ihren unsterblichen Hit »Final Countdown« aufnahmen, wird heute am Soundtrack gearbeitet. Geschrieben hat ihn André Bellmont, Professor an der Hochschule der Künste in Zürich (HdKZ), Abteilung Jazz und Popularmusik. Er dirigierte lange Zeit in Los Angeles, nahm fürs Andreas Vollenweider Orchester auf und arbeitete an Theaterproduktionen im In- und Ausland mit. Seit einem Monat ist er am Projekt »Bill« beteiligt. In einem ersten Schritt wurde zum Test bestehende Musik unter die Bilder gelegt. Vor allem Miles Davis und Bach trafen die Stimmung. Aufgrund dieser Erkenntnisse hat Bellmont dann die Musik komponiert.

Tonaufnahmen Tonaufnahmen

Ein variiertes Thema begleitet den Zuschauer durch den Film. Die Bläser pusten Atmosphäre, das Schlagzeug wird sanft mit den Besen bearbeitet, das Klavier sinniert. Zwischendurch schüttelt der Schlagzeuger kurz einen Bolero aus den Pfannen. Das Jazzquintett, bestehend aus befreundeten Dozenten der HdKZ, setzt Bellmonts Kompositionen an diesem Samstagmorgen absolut ruhig und professionell um. Spannend an der Studiosession ist die unterschiedliche Sprache der Beteiligten. Ein Einsatz soll leicht verschoben werden und genau auf einen Schnitt erfolgen, doch es entsteht Konfusion. Filmemacher Schmid spricht in Bildern, Komponist und Dirigent Bellmont in Tonwerten, Sound Engineer Helge van Dyk in Millisekunden und Frames. Doch schliesslich glückt die Umsetzung perfekt.

Bellmont muss schmunzeln, als er gefragt wird, warum um Himmels willen Architektur immer mit Jazz kombiniert wird. »Ich hätte mir verschiedene Musikstile vorstellen können. Als mir Erich Schmid dann erzählt hat, dass Bill Jazz und Bach liebte, war der Fall für mich klar.« Vom Film ist er sehr angetan. Bill sei ein vielseitig Wirkender gewesen, ein Hansdampf in allen Gassen wie er selbst, ergänzt Bellmont. Und dann ist auch schon alles im Kasten, und Schmid findet Zeit ausgiebig von der Symbiose von Natur und Architektur im Hause Bill zu schwärmen. Der Klang des Namens hat längst sinfonische Qualität erreicht.

Tonaufnahmen Tonaufnahmen

 

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