Er nannte sich Surava

Synopsis/Inhalt


Aktenstudium

Dokumentarfilm, Schweiz 1995. 35mm, Farbe, 80 min.

Regie Erich Schmid. Kamera: Pio Corradi. Schnitt: Wilma Sieber-Panke. Ton: Dieter Meyer, Andy Sigg, Pavol Jasovsky.

Peter Surava wurde 1940 Chefredaktor der Wochenzeitung «Die Nation». Unter dem erst 28-Jährigen wurde die Zeitung auflagenstarkes Symbol des Widerstands in der Schweiz. «Die Nation» setzte sich offen gegen den Nationalsozialismus, gegen die Pressezensur und für eine menschlichere Flüchtlingspolitik ein. Surava hatte viele Bewunderer - und mächtige Feinde. Einer dieser Feinde war der damalige Bundesrat Eduard von Steiger. Dieser Film von Erich Schmid löste 1995 das neue Aufflammen der öffentlichen Diskussion über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg mit aus. Er ist nicht nur Porträt, sondern auch Zeitdokument und Enthüllungskrimi über ein brisantes, bitteres Kapitel Schweizer Geschichte.

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Bemerkungen von Peter Surava   Biografie Peter Surava   Publikationen

Synopsis (ausführliche Fassung)

Peter Surava war im 2. Weltkrieg Chefredaktor der legendären Wochenzeitung «Die Nation» – ein Bollwerk gegen den Nationalsozialismus und Faschismus. Surava wurde zum Symbol für den geistigen Widerstand; die «Nation» steckte man sichtbar in die Taschen, um zu zeigen, was man dachte.

Mit seinem Kampf gegen die deutschfreundliche Pressezensur und seinen Sozialreportagen mit dem Fotografen Paul Senn erzielte Surava einen beispiellosen Presseerfolg. Die «Nation» steigerte ihre Auflage in vier Jahren von 8000 Exemplaren auf 120000 und wurde zu einer ernsthaften Gefahr für jene Kreise, die mit den Achsenmächten sympathisierten.

Zu ihnen gehörten damals nicht weniger als vier Bundesräte (von sieben). Einer von ihnen, der Justizund Polizeiminister Eduard von Steiger, der die Presse und den Staatsschutz kontrollierte, nahm sich Surava persönlich vor und sorgte mit seinen Mitteln dafür, dass man ihn fertigmachte: «Sehr demokratisch und sehr brutal», wie es der Zeitzeuge Oskar Reck formuliert.

Peter Suravas Achillesferse war sein bürgerlicher Name Hans Werner Hirsch – ein Name, der jüdisch klang. Obschon er in Wirklichkeit katholisch war, begegnete er dem schweizerischen Antisemitismus auf Schritt und Tritt, sobald er sich mit dem «jüdischen» Namen Hirsch vorstellte.

Es war das Schicksal seines Lebens, dass er immer wieder seinen Namen ändern musste, um zu überleben.

1912 wurde er als Hans Werner Hirsch in Zürich geboren. 1938 lebte er im Bündnerland und schrieb gleich auf Anhieb einen Bestseller: das «Tagebuch eines Skilehrers». Damit sich das Buch besser verkaufte, riet ihm der Verleger zu einem Pseudonym, das ein bisschen mehr nach Bergluft roch als der Name Hirsch und etwas bündnerischer klang.

Er nannte sich Peter Surava. Es war der Name eines Bündnerdorfs und bedeutete «über dem Wasser» (sur ava) – ein wunderschönes Pseudonym für einen jungen Schriftsteller! – Dachten sich Surava und sein Verleger (Emil Oprecht).

Nach Ausbruch des Krieges wandte sich Surava dem Journalismus zu und schrieb vor allem für die «Nation», die in Bern gedruckt wurde. 1940 wurde er dort festangestellt. Ein Jahr später verlangte er die Zeichnungsberechtigung als verantwortlicher Redaktor im Impressum. Doch sein Name kam ihm wieder in die Quere. Denn offiziell verantwortlich zeichnen, konnte man bloss mit einem bürgerlichen Namen – und der war Hirsch. Eine Lösung fand schliesslich der Vorstand der «Nation». Er leitete im Heimatkanton eine amtliche Namensänderung ein. Danach hiess Hans Werner Hirsch offiziell Peter Surava. Er erhielt einen neuen Pass; seine Familie hiess ebenfalls Surava.

Aber der schweizerische Antisemitismus holte ihn trotzdem ein. Surava begegnete ihm jetzt weniger im Alltag, dafür umso verhängnisvoller bei den Behörden und den Institutionen, die er in der «Nation» kritisierte: Etwa beim Schweizerischen Roten Kreuz, das bei seinen Ferienaktionen (für kriegsgeschädigte Kinder aus dem Ausland) die jüdischen Kinder ausgeschlossen hatte. Bei der schweizerischen Pressezensur, die seinen Kampf gegen die Nazis mit allen Mitteln unterbinden wollte. Bei der schweizerischen Bundesanwaltschaft, die gegen ihn Rassenforschung betrieb und ihn damit in Deutschland auf die schwarzen Listen der Gestapo brachte. Bei Politikern, die eine andere Gesinnung hatten. Und beim schweizerischen Staatsschutz, der in ihm einen «staatsgefährdenden Israeliten» erblickte und einen «Lügner», weil er die Greueltaten der Nazis beim Namen nannte.

Auf Befehl von Bundesrat Eduard von Steiger musste die Armeeabteilung Presse und Funkspruch (APF) dafür sorgen, dass sich die Schweizerpresse jeder Kritik an Nazideutschland enthielt. Sämtliche Berichte über die Judenvernichtung wurden – bis zum Ende des Krieges – als «reine Greuelpropaganda», als «Greuelmärchen» und als «Herabwürdigung Deutschlands» apostrophiert und verboten – Deutschland «eine mit uns befreundete Macht», heisst es in den Zensurentscheiden.

Der oberste Zensor, Bundesrat von Steiger, war vor dem Krieg Vertrauensanwalt für deutsche Angelegenheiten in der Schweiz gewesen und blieb w„hrend des Krieges eng befreundet mit dem deutschen Gesandten Otto Carl Köcher in Bern. Dieser beschwerte sich ständig über die «Nation», weil sie trotz Verbot über die Nazigreuel berichtete.

In der Folge wurde die «Nation» zeitweise verboten. Praktisch nach jeder Auslieferung gab es Beschlagnahmungen, Bussen oder Verwarnungen. Aber Surava liess sich nicht einschüchtern und blieb auf Kurs: «Wir bringen das, was andere nicht bringen».

Die «Nation» entwickelte sich zum Pionierblatt im Kampf für das freie Wort. Sie war jahrelang Gradmesser für die gesamte Schweizer Presse in der damaligen Grundfrage, wie weit eine freie Meinungsäusserung unter extremen Zensurbedingungen noch möglich war.

Davon zeugen die Zensurakten im Bundesarchiv, welche die Abteilung Presse und Funkspruch (APF) nach dem Krieg hatte abliefern müssen. Der Aktenbestand der «Nation» ist weitaus der grösste und umfasst Zehntausende von Papieren. Langezeit blieben sie unzugänglich, und noch heute sind sie weitgehend unerforscht.

Peter Surava geht im Keller des Bundesarchivs zusammen mit Erich Schmid den Spuren der damaligen Ereignisse nach und interpretiert die aufgefundenen Aktenstücke durch seine Erinnerung.

Am Ende des Krieges liegen die Nazis am Boden. Die Rote Armee ist im Vormarsch. Es gibt wieder Hoffnung. Ein politischer Aufbruch liegt in der Luft. Nach dem rechten Schrecken weht der Wind nun von links. In dieser Zeit, Ende 44, konstituiert sich die Partei der Arbeit (PDA) als Sammelbecken für die neue Linke. Sie bekommt massenhaften Zulauf. Die PDA wirbt Surava bei der «Nation» ab und beauftragt ihn mit der Herausgabe einer neuen Tageszeitung, des «Vorwärts», in Basel.

Bis Surava an einem frühen Morgen im Mai 1946 zuhause verhaftet und in den Lohnhof gebracht wurde, erreichte der «Vorwärts» eine Auflage von über 30000 Exemplaren. Die «Nation», die er verlassen hatte, ging bald ein. Einflussreiche Sozialdemokraten im Vorstand wollten sich nicht länger mit der Regierung anlegen, nachdem die SP in den Bundesrat eingezogen war.

In der Untersuchungshaft warf man Surava vor, er habe seinen früheren Arbeitgeber, die «Nation», betrogen. Später kamen Anschuldigungen hinzu, er habe Geld veruntreut zusammen mit dem Fotografen Paul Senn.

Nach einiger Zeit holte ihn die Polizei aus der Zelle und führte ihn als Angeklagter dem Bundesgericht in Lausanne vor. Dort ging es nicht mehr um die U-Haftgründe Veruntreuung und Betrug, sondern – wieder einmal – um seinen Namen. Einflussreiche Politiker hatten die mausarme Bündnergemeinde Surava bestochen und sie dazu gebracht, gegen ihn als Kläger aufzutreten. In der Klage hiess es wegen Namensanmassung eines Journalisten mit unschweizerischer Schreibweise.

Das Bundesgericht verbot ihm letztinstanzlich, sich Surava zu nennen. Sein Vorname blieb unangetastet, sodass der einstige Hans Werner fortan Peter Hirsch hiess.

Der Vernichtungsaktion mit Verhaftung und Verfahren gingen Rufmord und Feme einher. Keine Zeitung hätte auch bloss noch eine Zeile von ihm gedruckt. Surava verarmte und unternahm mit seiner damaligen Frau einen Selbstmordversuch.

Mit der PDA hatte sich Surava mittlerweile überworfen. «Die konservativen Kommunisten», sagt das Gründungsmitglied Max Bächlin als Zeitzeuge, «bekamen allmählich Oberwasser in der Partei». Die PDA unterdrückte nun jede kritische Äusserung gegen die Sowjetunion.

Surava geriet – wie schon im Nervenkrieg 39-45 – zwischen die Fronten. Diesmal war es der Kalte Krieg. Für die Bürgerlichen war er ein hoffnungsloser Kommunist. Die Linke warf ihm vor, er sei ein bürgerlicher Reformer.

Surava zog sich von der Politik zurück. Er versteckte sich hinter Pseudonymen und schrieb unerkannt 22 Hörspiele für Radio Basel, bis ihn das Bündner Tagblatt 1949 denunzierte. Darauf erhielt er auch beim Radio ein Schreibverbot.

1949 tauchte Surava unter. 45 Jahre lang lebte er unter vielen unverdächtigen Namen und schrieb über 20 Bücher, darunter einige Bestseller. Seine Pseudonyme waren unter anderem Peter Moser, Franz Bastian, James Walker, Cerdan, Pierre Martin und vor allem Ernst Steiger.

Peter Surava geriet in Vergessenheit, bis er sich 1991 nach Jahrzehnten wieder zu erkennen gab. Die Fichenaffäre, die 1990 die Intrigen des Staatsschutzes zum Vorschein gebracht hatte, bewog ihn, eine Autobiographie zu schreiben: «Er nannte sich Peter Surava» (231 Seiten, Rothenhäusler Verlag). Es war das erste Mal, dass er mit dem bürgerlichen Namen Peter Hirsch publizierte.

Die Fichen und die Akten, die er von der Bundesanwaltschaft erhalten hatte, standen sowohl dem Buch wie auch dem Film Pate, um den geheimen Machtapparat zu erkennen, der Surava vernichtet hatte. Zum Beispiel erfuhr man erst in den Neunzigerjahren, dass ihn die Polizei 1945 in einem Leumundsbericht immer noch als Jude aufführte, nachdem die Bundesanwaltschaft drei Jahre zuvor herausgefunden hatte, dass «über die jüdische Rassenzugehörigkeit» von Hirsch alias Surava «nichts Positives festgestellt werden konnte».

Dass Surava kein Jude war, tut nichts zur Sache.


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Synopsis (Kurzfassung)

Peter Surava war im 2. Weltkrieg ein Symbol für den geistigen Widerstand in der Schweiz. Er war Chefredaktor der damaligen Wochenzeitung «Die Nation», die als Bollwerk gegen die Nazis gegründet wurde.

Im Propaganda- und Nervenkrieg von 1939 bis 1945 kämpfte Surava an vorderster Front für das freie Wort und geriet ins Fadenkreuz des Bundesrates, der Pressezensur und der Bundesanwaltschaft. Man wollte ihm jede kritische Äusserung gegen die Nazis verbieten. Die Judenvernichtung wurde als «Herabwürdigung Deutschlands» und als «Greuelpropaganda» gegen «eine mit uns befreundeten Macht» apostrophiert und bis zum Ende des Krieges von den Behörden geleugnet – wider besseres Wissen. Die «Nation» blieb jedoch fest und klagte die Judenvernichtung weiterhin an. Dafür wurde sie von der Pressezensur laufend beschlagnahmt, gebüsst und verwarnt.

Mit seinem Kampf gegen die deutschfreundliche Pressezensur und seinen Sozialreportagen mit dem berühmten Fotografen Paul Senn erzielte Surava einen beispiellosen Presseerfolg. Die «Nation» erreichte Höchstauflagen und wurde zu einer ernsthaften Gefahr für jene Kreise, die mit den Achsenmächten sympathisierten.

Dazu gehörten damals nicht weniger als vier Bundesräte (von sieben). Einer von ihnen, der Justiz- und Polizeiminister Eduard von Steiger, der die Presse und den Staatsschutz kontrollierte, nahm sich Surava persönlich vor und sorgte mit seinen Mitteln dafür, dass man ihn fertigmachte.

Peter Suravas Achillesferse war sein ursprünglicher Name Hans Werner Hirsch – ein Name, der jüdisch klang. Obschon er in Wirklichkeit katholisch war, begegnete er dem schweizerischen Antisemitismus auf Schritt und Tritt, sobald er sich vorstellte mit dem Namen Hirsch. Es wurde zum Schicksal seines Lebens, dass er immer wieder seinen Namen ändern musste.

1912 wurde er in Zürich geboren. 1938 entlehnte er den Namen des Bündnerdorfs Surava für sein erstes Schriftsteller-Pseudonym. Nach einer amtlichen Namensänderung im Jahr 1941 hiess er offiziell Peter Surava. Diesen Namen verbot ihm das Bundesgericht 1946. Seither heisst er wieder Hirsch.

Heftig geriet Surava zweimal zwischen die Fronten, zuerst im 2. Weltkrieg, dann im kalten Krieg. Anfang 1945 ging Surava zum «Vorwärts», die Zeitung der Partei der Arbeit (PDA). Doch die PDA verbot ihm bald jede kritische Äusserung gegen die Sowjetunion. Er überwarf sich mit ihr wie zuvor mit der Pressezensur. Dadurch verlor er den politischen Rückhalt. Für die Bürgerlichen war er ein hoffnungsloser Kommunist. Die Linke warf ihm vor, er sei ein bürgerlicher Reformer.

Surava tauchte 45 Jahre unter und schrieb unter verschiedenen Pseudonymen über zwanzig Bücher. Als Ernst Steiger wurde er wieder bekannt. 1991 schrieb er seine Autobiographie «Er nannte sich Peter Surava», nachdem die Fichen des Staatsschutzes die Vernichtung seiner Identität wieder aufgewühlt hatten.


Überlegungen des Autors

Die Abteilung Presse und Funkspruch, die APF, jene Armeeabteilung, die im 2. Weltkrieg die Presse kujonierte, gibt es heute noch. Sie entwirft mangels akuter Bedrohung Szenarien kontrollierter Öffentlichkeitsarbeit im Sandkasten, nun zugeschnitten auf aktuelle mögliche Katastrophen (AKW-, Chemie-Unfälle usw.). Ob sie ihre eigene Geschichte kennt, ist fraglich. Denn noch im Jahr 1989 unterstützte sie den Leitgedanken der «Diamant»-Feiern zur Mobilmachung vor 50 Jahren, wonach die Schweiz den 2. Weltkrieg dank ihrer Armee überlebt hätte.

Die Wirklichkeit hatte anders ausgesehen. Die APF als Bestandteil der Armee hatte damals erreicht, dass die Presse zu den Nazigreueln schwieg, und die Konsequenz davon war, dass die Bevölkerung nichts wusste. Dieses Verhalten schwächte die Widerstandskraft gegen den Nationalsozialismus, denn nur wer wusste, welcher Terror von den Nazis ausging, war eher bereit, dagegen anzukämpfen. Das alles hatte sich im Nerven- und Propagandakrieg abgespielt, den die Nazis mit der Absicht inszenierten, ein Land auf die bevorstehende Invasion vorzubereiten. Auch die Schweiz war davon betroffen. Und auf diesem einzigen Kriegschauplatz, in den die Schweiz real verwickelt war, spielten Bundesrat und Armee eine zwielichtige Rolle: Bei der Bevölkerung warb man mit Hurra-Patriotismus für die geistige Landesverteidigung, und die Presse zensurierte man mit der Begründung, Deutschland sei «eine mit uns befreundete Macht».

Peter Surava war landesweit ein Symbol für den Widerstand. Aber nach einem Komplott tauchte er unter und lebte und schrieb 45 Jahre unter dem Pseudonym Ernst Steiger. Als Surava hatte er mutig gegen einen anpasserischen Bundesrat und eine deutschfreundliche Pressezensur gekämpft. Dafür musste er büssen; er wurde mundtot gemacht und landete im Gefängnis. Die Achillesferse war sein bürgerlicher Name Hirsch, der jüdisch klang. Antisemitismus, Rufmord und Feme trieben ihn in die Versenkung.

Als Journalist erlebte ich selber während Jahren, dass die Pressefreiheit kein unverrückbarer Bestandteil unserer Demokratie ist, sondern dass sie sich immer wieder den äusseren Bedingungen anpasst. Eine Wende trat beispielsweise während den Jugendunruhen der 80er Jahre ein, als die grossen Unternehmen mit Inserate-Boykotten die Redaktionen disziplinierten. Auf diese Weise wurde die Pressefreiheit eingeschränkt. 1986 veröffentlichte ich im Zusammenhang mit den Winterthurer Ereignissen das Buch «Verhör und Tod in Winterthur», worauf ich bei einer Tageszeitung, bei der ich jahrelang gearbeitet habe, ein Schreibverbot erhielt.

In Peter Surava habe ich das Paradigma der Vernichtung eines Journalisten gefunden. Ich konnte mich sozusagen aus eigener Erfahrung mit ihm solidarisieren. Seine Geschichte gab mir Gelegenheit, unser Pressewesen in einer Art Laborsituation echter Bedrohung zu betrachten. Es war ein grosses Glück und eine schöne Erfahrung, ihn kennengelernt zu haben, auch ganz persönlich als Freund.


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Bemerkungen von Peter Surava

Dieser Film offenbart ein mit seltener Konsequenz verschwiegenes Stück Schweizer Geschichte. Selbst renommierte Historiker haben folgsam mitgespielt, um in ihren Werken die Begriffe «Nation» und «Surava» auszumerzen. Die bisher offiziell dargestellte Tätigkeit der schweizerischen Pressezensur im 2. Weltkrieg ist Geschichtsfälschung.

Meine Person ist Zufall. Sie bot sich an, weil die «Nation» ohne Rücksicht auf politische Verflechtungen Dinge und Personen beim Namen nannte. Die neue Form der Bildreportage begnügte sich nicht mit Aufdeckung von Missständen, sondern verfolgte in anwaltschaftlicher Form die Zusammenhänge bis in ihre Wurzeln.

Andere Schweizer mit jüdisch klingenden Namen wie Bär, Wolf, Bloch, Rosenberg usw. wurden weniger behelligt, denn sie befassten sich nicht öffentlich mit heissen Eisen wie die unmenschliche Politik des Roten Kreuzes gegen jüdische Kinder oder die barbarische Bombardierung der abessinischen Zivilbevölkerung mit Giftgas aus den Montecatini-Werken, an denen der führende Kopf des IKRK finanziell beteiligt war.

Sie schrieben auch nicht über das soziale Elend der Heimarbeiter und die misshandelten Anstaltsund Verdingkinder, die von den zuständigen Behörden schmählich im Stich gelassen wurden.

Wer in solche Wespennester sticht, kann nicht ungeschoren davon kommen. Und wie einfach war es, die antisemitische Stimmung zu schüren, indem man den Urheber dieser Enthüllungen als «Jude» darstellte.

Der Film ist – ganz ohne das document humaine um meine Person – ein Lehrstück, an dem man nicht vorbeisehen sollte, besonders nicht heute, da an einem raffinierten Instrumentarium gearbeitet wird, um die Freiheit der Presse erneut an die Kette zu legen.


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Biographie Peter Surava

Hans Werner Hirsch

1912 geb. in Zürich ; Schulen in Zürich
1928-1930 Kaufmännische Lehre in Zürich
1931 Grafische Ausbildung in London
1935 Arbeit mit jugendlichen Arbeitslosen
1936-1939 Mit Ehefrau Leitung der Jugendherberge Lenzerheide
1939 Erstling im Oprecht Verlag Zürich «Tagebuch eines Skilehrers»
1940-1945 Leitender Redaktor der «Nation»
1943 erscheint das Buch «Arrest in Sitten»
1941 Amtliche Namensänderung Hirsch – Surava
1944 erscheint das Buch «Eine tapfere Frau» mit Bildern von Paul Senn
1945-1946 Redaktor beim «Vorwärts» in Basel
1946 Namensprozess am Bundesgericht Peter Surava heisst wieder Hirsch
1949-1995 Hirsch-Surava lebt unter Pseudonymen. Unter Ernst Steiger wird er bekannt. Es erscheinen über 20 Bücher; die wichtigsten: «Mensch und Geld», «Xenos auf Rhodos», «Auf dem Wege zu sich selbst», «Schicksal und Lebensstufen im Licht der späten Jahre», «Mut zur inneren Freiheit», «Die Nacht – Erzählungen»
1991 Nach der Fichenaffäre erscheint das erste Buch unter seinem bürgerlichen Namen Peter Hirsch: «Er nannte sich Peter Surava»

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Publikationen

Buchdeckel

Abschied von Surava. Eine Dokumentation, herausgegeben von Erich Schmid.
Mit Gedichten von Peter Surava und Zeichnungen von Hanny Fries.
Zürich, Wolfbach Verlag, o.J., 256 S., Abb.
Fr. 19.- / € 14.--

Enthält die Dialogliste des Films.

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Annetta Bundi und Andi Jacomet:
»Das gibt es in der Schweiz!»
Sozialreportagen in der «Nation» 1939-1952, Bern 1997.
Die wichtigste und umfassende wissenschaftliche Arbeit über Peter Suravas Sozialreportagen in der Wochenzeitung „Die Nation“, 1940er Jahre:
Download als PDF


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