Er nannte sich Surava

Texte zum Film


Überlegungen des Autors
Bemerkungen von Peter Surava
Erich Schmid: Hatte auch die Schweiz „Judenregister“?

Erich Schmid, Pio Corradi, Richard Dindo
Erich Schmid, Pio Corradi, Richard Dindo: Montage

Überlegungen des Autors

Die Abteilung Presse und Funkspruch, die APF, jene Armeeabteilung, die im 2. Weltkrieg die Presse kujonierte, gibt es heute noch. Sie entwirft mangels akuter Bedrohung Szenarien kontrollierter Öffentlichkeitsarbeit im Sandkasten, nun zugeschnitten auf aktuelle mögliche Katastrophen (AKW-, Chemie-Unfälle usw.). Ob sie ihre eigene Geschichte kennt, ist fraglich. Denn noch im Jahr 1989 unterstützte sie den Leitgedanken der "Diamant"-Feiern zur Mobilmachung vor 50 Jahren, wonach die Schweiz den 2. Weltkrieg dank ihrer Armee überlebt hätte.

Die Wirklichkeit hatte anders ausgesehen. Die APF als Bestandteil der Armee hatte damals erreicht, dass die Presse zu den Nazigreueln schwieg, und die Konsequenz davon war, dass die Bevölkerung nichts wusste. Dieses Verhalten schwächte die Widerstandskraft gegen den Nationalsozialismus, denn nur wer wusste, welcher Terror von den Nazis ausging, war eher bereit, dagegen anzukämpfen. Das alles hatte sich im Nerven- und Propagandakrieg abgespielt, den die Nazis mit der Absicht inszenierten, ein Land auf die bevorstehende Invasion vorzubereiten. Auch die Schweiz war davon betroffen. Und auf diesem einzigen Kriegschauplatz, in den die Schweiz real verwickelt war, spielten Bundesrat und Armee eine zwielichtige Rolle: Bei der Bevölkerung warb man mit Hurra-Patriotismus für die geistige Landesverteidigung, und die Presse zensurierte man mit der Begründung, Deutschland sei "eine mit uns befreundete Macht".

Peter Surava war landesweit ein Symbol für den Widerstand. Aber nach einem Komplott tauchte er unter und lebte und schrieb 45 Jahre unter dem Pseudonym Ernst Steiger. Als Surava hatte er mutig gegen einen anpasserischen Bundesrat und eine deutschfreundliche Pressezensur gekämpft. Dafür musste er büssen; er wurde mundtot gemacht und landete im Gefängnis. Die Achillesferse war sein bürgerlicher Name Hirsch, der jüdisch klang. Antisemitismus, Rufmord und Feme trieben ihn in die Versenkung.

Als Journalist erlebte ich selber während Jahren, dass die Pressefreiheit kein unverrückbarer Bestandteil unserer Demokratie ist, sondern dass sie sich immer wieder den äusseren Bedingungen anpasst. Eine Wende trat beispielsweise während den Jugendunruhen der 80er Jahre ein, als die grossen Unternehmen mit Inserate-Boykotten die Redaktionen disziplinierten. Auf diese Weise wurde die Pressefreiheit eingeschränkt. 1986 veröffentlichte ich im Zusammenhang mit den Winterthurer Ereignissen das Buch "Verhör und Tod in Winterthur", worauf ich bei einer Tageszeitung, bei der ich jahrelang gearbeitet habe, ein Schreibverbot erhielt.

In Peter Surava habe ich das Paradigma der Vernichtung eines Journalisten gefunden. Ich konnte mich sozusagen aus eigener Erfahrung mit ihm solidarisieren. Seine Geschichte gab mir Gelegenheit, unser Pressewesen in einer Art Laborsituation echter Bedrohung zu betrachten. Es war ein grosses Glück und eine schöne Erfahrung, ihn kennengelernt zu haben, auch ganz persönlich als Freund.


Überlegungen des Autors
Bemerkungen von Peter Surava
Erich Schmid: Hatte auch die Schweiz „Judenregister“?

Bemerkungen von Peter Surava

Dieser Film offenbart ein mit seltener Konsequenz verschwiegenes Stück Schweizer Geschichte. Selbst renommierte Historiker haben folgsam mitgespielt, um in ihren Werken die Begriffe "Nation" und "Surava" auszumerzen. Die bisher offiziell dargestellte Tätigkeit der schweizerischen Pressezensur im 2. Weltkrieg ist Geschichtsfälschung.

Meine Person ist Zufall. Sie bot sich an, weil die "Nation" ohne Rücksicht auf politische Verflechtungen Dinge und Personen beim Namen nannte. Die neue Form der Bildreportage begnügte sich nicht mit Aufdeckung von Missständen, sondern verfolgte in anwaltschaftlicher Form die Zusammenhänge bis in ihre Wurzeln.

Andere Schweizer mit jüdisch klingenden Namen wie Bär, Wolf, Bloch, Rosenberg usw. wurden weniger behelligt, denn sie befassten sich nicht öffentlich mit heissen Eisen wie die unmenschliche Politik des Roten Kreuzes gegen jüdische Kinder oder die barbarische Bombardierung der abessinischen Zivilbevölkerung mit Giftgas aus den Montecatini-Werken, an denen der führende Kopf des IKRK finanziell beteiligt war.

Sie schrieben auch nicht über das soziale Elend der Heimarbeiter und die misshandelten Anstaltsund Verdingkinder, die von den zuständigen Behörden schmählich im Stich gelassen wurden.

Wer in solche Wespennester sticht, kann nicht ungeschoren davon kommen. Und wie einfach war es, die antisemitische Stimmung zu schüren, indem man den Urheber dieser Enthüllungen als "Jude" darstellte.

Der Film ist – ganz ohne das document humaine um meine Person – ein Lehrstück, an dem man nicht vorbeisehen sollte, besonders nicht heute, da an einem raffinierten Instrumentarium gearbeitet wird, um die Freiheit der Presse erneut an die Kette zu legen.


Einheimische Rassenforschung noch unerforscht
Erich Schmid

Hatte auch die Schweiz „Judenregister“?

Nach dem Skandal mit dem „Judenregister“ in Schweden stellt sich die Frage, ob die Schweiz im 2. Weltkrieg ihrerseits vergleichbare Karteien geführt hatte. – Zumindest das Beispiel der Rassenforschung bei Surava zeigt, dass die Frage zulässig ist. In seinem Fall gab es zwischen der schweizerischen Bundesanwaltschaft und den deutschen Nazis einen Informationsaustausch. Warum blieb es in diesem Zusammenhang weitgehend still? Die Rezeptionsgeschichte von Surava gibt einigen Aufschluss.

Über Peter Surava, sein autobiographisches Buch, über den Film und das Buch nach seinem Tod sind über 700 Medienberichte erschienen (nicht nur in der Schweiz). Aber kaum einer beschäftigte sich mit der nächstliegenden Frage nach dem weiteren Umfang der schweizerischen Rassenforschung, obschon sie bei Surava im Zentrum der Biographie steht. Der Film über Surava weist ausserdem nach, dass es im Zusammenhang mit der Rassenforschung zwischen der schweizerischen Bundesanwaltschaft und den deutschen Nazis einen Informationsaustausch gegeben hatte, und zwar auf der Basis übereinstimmender antisemitischer Interessen (vgl. Kasten). – Ein Faktum, das wenig Beachtung fand.

Nachdem in der Schweiz antisemitische Rassenforschungen nachgewiesen werden können (wie in Schweden), wäre es naheliegend, dass es in der Schweiz etwas Vergleichbares gab wie die Judenregister in Schweden. Und da die deutschen Nazis offensichtlich Zugriff hatten auf die Informationen der schweizerischen Bundesanwaltschaft über die „jüdische Rassenzugehörigkeit des Herrn Surava“, wäre es auch denkbar, dass diese Art von Nazi-Connection weitere jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger erfasste. In Schweden hatte der Chef der Sozialbehörde, Robert Paulson, das von ihm selbst initiierte Judenregister mit 3000 Namen einem deutschen Nazispion ausgehändigt (vgl. Tages-Anzeiger vom 11. Nov. 1997).

Dass im Gegensatz zu Schweden eine breitere Diskussion in der Schweiz ausblieb, muss nicht zwingend bedeuten, dass es neben Surava keine weiteren Beispiele gegeben hätte. Vielmehr lässt die Rezeptionsgeschichte von Surava darauf schliessen, dass die Aspekte des Kalten Krieges auf ein weit grösseres Interesse stiessen als die Aspekte des Antisemitismus‘ – ausgenommen bei der jüdischen Presse, die erkannte, worauf sich die Surava-Geschichte hauptsächlich konzentriert: auf den Antisemitismus in der Schweiz.

„Vorwärts“ und NZZ mit verstelltem Blick

Eine im Juni 1997 am Institut für Medienwissenschaft der Uni Bern erschienene Facharbeit von Annetta Bundi und Andi Jacomet zeigt an den beiden Beispielen von Max Bächlin im „Vorwärts“ (Okt./Nov. 1996) und Peter Rippmann in der NZZ (1. April 1997), dass sich die Debatte zur Aufarbeitung der Surava-Geschichte hauptsächlich auf die Zeit des Kalten Krieges bezog. Bächlin wollte aus einer linken Position heraus nachweisen, dass Surava ausschliesslich ein Opfer des Antikommunismus‘ war, und Rippmann verfolgte im Grunde dieselbe These aus rechter Optik. Was jedoch in der Facharbeit von Bundi/Jacomet noch aufschlussreicher ist als die Analyse der entsprechenden Rechthabereien, ist die Tatsache, dass die Diskussion in „Vorwärts“ und NZZ den vielfältigen, hinterhältigen und vernichtenden Antisemitismus in Suravas Geschichte praktisch zudeckte. Dies erstaunt umso mehr, als sich sowohl Rippmann wie auch Bächlin, beide Vertreter der Aktivdienstgeneration, immer wieder besonders verdient gemacht hatten in der Aufarbeitung der Schweizergeschichte.

Surava, ein Katholik, wurde als Jude gebrandmarkt, allein weil er ursprünglich einen angeblich jüdisch klingenden Namen getragen hatte, nämlich Hirsch. Die Vernichtung seiner Existenz und seiner gesellschaftlichen Bedeutung gelang erst durch das gerichtliche Verbot, weiterhin den Namen Surava zu tragen. Vor Bundesgericht in Lausanne sagte Surava (im Film): „Für mich ist dieser Saal ein Beerdigungsinstitut!“ Denn dort sei seine „Identität beerdigt“ worden. (An diesem Beispiel wird wieder einmal klar, dass ein Name immer auch eine Existenz bedeutet; vielen Ehefrauen ist dies nur allzu gut bekannt). 

Die Vernichtung dieser Existenz hat weniger zu tun mit dem absurden Gerichtsverfahren der „Nation“ gegen den „Vorwärts“-Direktor Peter Surava als vielmehr mit der direkt auf seine Existenz zielende (Namens-)Klage der Bündner Gemeinde Surava, deren Ursprung auf Anfang 1944 zurückgeht, als Surava bei der „Nation“ mit dem Zweihänder gegen die holocaustleugnende Pressezensur gekämpft hatte und deren Chef, Bundesrat Eduard von Steiger.

Obschon die Bundesanwaltschaft 1942 herausgefunden hatte, dass „über die jüdische Rassenzugehörigkeit von Surava nichts Positives“ vorliege, haben ihn die Spitzelberichte bis 1945 immer wieder als Jude denunziert. Namentlich in der Gegend der Lenzerheide, wo die Gemeinde Surava liegt und wo Peter Surava den Namen entlieh, sei er „als Jude bekannt“ gewesen, hiess es in einem polizeilichen Leumundsbericht von 1945 (vgl. Faksimile). In der Klage wegen Namensanmassung steht denn auch Peter Suravas „unschweizerische Schreibweise“ in der „Nation“ im Vordergrund. Im Zusammenhang mit den damaligen Polizeiberichten war mit „unschweizerisch“ wahrscheinlich jüdisch gemeint.

Die Behauptung von Bächlin und Rippmann, dass Surava nicht ein Opfer seiner Schreibweise in der „Nation“ war, sondern ein Opfer seiner Schreibweise im „Vorwärts“, ist demzufolge nicht nur unrichtig, sondern sie spielt auch den Antisemitismus gegen den Antikommunismus aus. Ganz offensichtlich verstellten die über Jahrzehnte in den Köpfen der alten Männer errichteten Mauern des Kalten Krieges den Blick auf das Wesentliche.

Surava und die WoZ

Aber auch bei den etwas Jüngeren hat sich dieses Denkmuster fortgesetzt, wie die Rezeptionsgeschichte von Surava bei der WochenZeitung (WoZ) zeigt. Die WoZ-Redaktion bestellte 1992 einen Bericht über Surava für die Panorama-Seite. Nachdem der Artikel ein halbes Jahr nachrichtenlos liegengeblieben war, outete sich schliesslich Redaktor Stefan Keller als zuständig. Er „glaube“ Surava nicht, erklärte er das Nichterscheinen. Derselbe Artikel erschien daraufhin in der gesamten AZ-Presse und in fünf grossen Tageszeitungen der Schweiz.

Die WoZ verschwieg Surava bis zur Uraufführung des Films „Er nannte sich Surava“ an den Solothurner Filmtagen 1995. In ihrer Filmkritik schrieb die „Basler Zeitung“ über den Filmautor: „Er drehte einen Film, kam nach Solothurn, führte ihn auf und verblüffte einen vollbesetzten Saal“. Das war die Stimmung. An der Première hatte Bundesrätin Ruth Dreifuss auf dem Balkon neben Surava Platz genommen und am Schluss das Wort ergriffen. Sichtlich beeindruckt forderte sie die Rehabilitierung. Das war mutig, weil sie damals noch nicht wissen konnte, wie der Film aufgenommen würde. Surava stand auf einen Schlag im Mittelpunkt der Tagespresse, in den Scheinwerfern des Fernsehens und im Blitzlicht der Fotografen. Jetzt konnte auch die WoZ nicht mehr schweigen.

Fast ein bisschen versteckt in einem der hinteren Bünde erschien am 3. Februar 1995 ein kleiner Bericht von Stefan Keller, der gleich in der ersten Spalte den Tarif erklärte: Die 250 Seiten umfassende Autobiographie Suravas bezeichnete der Autor des 250-seitigen Buches über Paul Grüninger  als „Büchlein“ und stellte klar, welchen Stellenwert er selber für die Schweiz als Buchautor hat, im Gegensatz etwa zum „Büchlein“-Autor Peter Hirsch-Surava. Das individuelle Kulturschaffen des Filmautors apostrophierte Keller ebenso verächtlich wie kulturfeindlich als „linke Vereinsamung“.

Der Antisemitismus kam einzig in einem Nebensatz vor, wo bloss von „antisemitischen Vorurteilen der EJPD-Beamten“ die Rede war. Von der Rassenforschung kein Wort. Von der antisemitischen Vernichtung nicht die Rede. Was Kritiker Keller im Film hingegen fehlte, war der Klassenkampf oder zumindest das, was er sich davon vorstellte: Surava habe nämlich im Gefängnis „massenhaft Päckli von armen Leuten“ bekommen, sodass es in der Zelle „geschmöckt“ habe „wie in einer Konditorei“.

Immerhin erklärte Keller nun öffentlich (und gestand indirekt die Zensurierung des bestellten Artikels von 1992 ein), dass er Suravas Geschichte langezeit nicht geglaubt habe. Erst der Film hat ihn zur höheren Einsicht gebracht, dass Suravas Geschichte „wirklich, wirklich, wirklich ...“(insgesamt viermal wirklich) „in der Schweiz“ stattgefunden hatte! Dass so etwas wie mit Surava „in der Schweiz“ passierte, dass Surava hierzulande „schlichtweg“ habe „untertauchen müssen“ und „dass er dann vierzig Jahre lang vergessen geht“ (einige Jahre auch dank der WoZ) und dies „mitten in diesem engen helvetischen zwanzigsten Jahrhundert“, das sei „schon eine sonderbare Geschichte“. Es erschien dem WoZ-Kritiker offensichtlich unfassbar, dass  die „allerhöchsten Schweizer Behörden“ Surava „wirklich“verfolgt hatten.

Das Erstaunen über solche Vorkommnisse „in der Schweiz“ und über derartige „allerhöchste Schweizer Behörden“ impliziert jedoch ein weniger grosses Erstaunen oder gar keines, wenn die Surava-Geschichte anderswo, also nicht in der Schweiz passiert wäre. Oder mit anderen Worten: Wer über diese Schweiz dermassen „wirklich“ erstaunt ist, muss im Grunde davon ausgehen, dass die Schweiz etwas Besseres ist (als andere). Beim ersten Artikel über Surava in der WoZ traf dieses Denkmuster (vgl. „Büchlein“) selbst für den Individualbereich des Kollektiv-Schreibers zu; im Subtext der Filmkritik steckte, um es nun klar zu sagen, ein abgrundtiefer konservatiefer Mief.

In solchen Fällen pflegte Surava jeweils zu sagen: „Diejenigen, die ständig die Fahne schwingen, sind nicht unbedingt die besten Schweizer“. Zur selben Einsicht kam er übrigens bei der klassenkämpferischen Fahne. Es kommt, banal gesagt, halt immer darauf an, was dahinter steckt.

Rassenforschung der Bundesanwaltschaft am Beispiel von Peter Surava

Anfänglich ging es um den Ausschluss der jüdischen Kinder aus den Urlaubsaktionen des Roten Kreuzes 1942, den der damalige Chefredaktor Peter Surava in der „Nation“ heftig kritisierte. Die Pressezensur verwarnte Surava und drohte ihm (einmal mehr), das Erscheinen der „Nation“ einzustellen. Pressezensor Hauptmann Wilhelm Ernst rechtfertigte die Massnahme, dass der Ausschluss der jüdischen Kinder notwendig sei, weil sonst die Schweiz von Juden „durchsetzt“ würde. Der Chefarzt des Roten Kreuzes, Hugo Remund – seinerseits stolz darauf, dass „keine Juden“ beim Roten Kreuz „darin sind“ –  wandte sich an den Erfinder des Judenstempels, Heinrich Rothmund, und denunzierte Surava als Jude.

Rothmund beauftragte die schweizerische Bundesanwaltschaft, „über die jüdische Rassenzugehörigkeit des Herrn Surava Erhebungen anzustellen“.

Im gleichen Zeitraum, im April 1942, brandmarkte das „Neue Stuttgarter Tagblatt“ Surava auf der Titelseite als „ein Jude!“, der in Wirklichkeit „Hirsch-Geiser“ hiess.  Auf den Namen „Hirsch-Geiser“ lauteten auch die Personalien auf dem Deckblatt der Fichen und in den folgenden Einträgen zur Rassenforschung. Suravas Ehefrau hiess aber nicht Geiser, sondern Geiler. Bei den Fichen und bei den Nazis trat somit derselbe orthografische Fehler auf. Somit muss es eine Verbindung gegeben haben zwischen den schweizerischen Rassenforschern und den deutschen Nazis.

Suravas Vater, Franz Hirsch, war vor dem 1. Weltkrieg aus Deutschland in die Schweiz eingewandert. Gestützt darauf, versuchte die Bundesanwaltschaft Jahrzehnte später via EPD (heute EDA) in Nazideutschland abzuklären, ob dort „nicht-arische“ Wurzeln auszumachen seien. Der Gesandte Frölicher in Berlin wurde fündig und übermittelte nach Bern die Nachricht, dass es sich bei Surava bzw. Hirsch-Geiser „um einen aus Mannheim emigrierten Juden“ handle. Frölicher berief sich auf „unseren als deutscher Kriegsberichterstatter tätigen Landsmann Benno Schaeppi“. Benno Schaeppi war in Wirklichkeit ein Schweizer, der nach Nazideutschland ausgewandert war, um aus Ueberzeugung in die Waffen-SS einzutreten,  wofür er nach dem Krieg in der Schweiz verurteilt wurde und ausgebürgert.

Auch die Schweizerische Gesandtschaft in Stuttgart befasste sich mit Suravas „Rassenzugehörigkeit“. Geschäftsträger Kappeler bestätigte die Informationen Schaeppis im September 1942 in einer Meldung an das EPD (heute EDA) in Bern. Aber der zuständige Beamte  Rezzonico zweifelte an den Informationen mit den Worten: „10 bis 20 Prozent Wahrheit, der Rest propagandistische Verdrehung!“ Mit Bleistift korrigierte Rezzonico den Brief aus Stuttgart in Randbemerkungen: „In Tat und Wahrheit war Suravas Vater (Bayer!) schon in Zürich eingebürgert; er war katholisch (ob jüdischer Abstammung ist unbekannt). Die ganze mütterliche Seite ist unter ihrem Namen arisch! (...) Ohne die ‚Nation‘ verteidigen zu wollen“, kommentierte Rezzonico weiter, „gehört Kappeler für diese Oberflächlichkeit eins auf die Finger!“

Die Rassenforschung als solche stellten die Schweizer Behörden nicht in Frage. Sie forderten bloss eine perfektere! Man wollte hierzulande offensichtlich besser sein als anderswo...


Überlegungen des Autors
Bemerkungen von Peter Surava
Erich Schmid: Hatte auch die Schweiz „Judenregister“?

 

TV-Ausstrahlungen des Surava-Films 

Der Film „Er nannte sich Surava“ von Erich Schmid wird Ende 1997 noch zweimal am Schweizer Fernsehen SF1 ausgestrahlt: morgens je um 09.00 Uhr, am 15. und am 30. Dezember 1997.

Video und Buch zum Film

Der Film auf Video und das Buch zum Film  „Abschied von Surava“ (u. a. mit dem gesamten Filmtext) können bestellt werden bei: Wolfbach Verlag Zürich, Gemeindestrasse 4, 8032 Zürich, Tel. 01 252 93 61, Fax 01 252 93 12.

Facharbeit der Universität Bern

Die Uni-Facharbeit  von Annetta Bundi und Andi Jacomet (200 Seiten, Anhang) mit dem Titel „Das gibt es in der Schweiz!“ kann bestellt werden bei: Annetta Bundi, Forstweg 61, 3012 Bern oder bei Andi Jacomet, Dunantstrasse 2, 3006 Bern.

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