Abschied von Surava

Pressestimmen


Siehe auch die Pressestimmen und Dokumente zu Erich Schmids Film «Er nannte sich Surava»

«Abschied von Surava»

Eine Dokumentation

MARTIN SCHLAPPNER

Es geschah 1991, dass Peter Surava, von dem viele gemeint hatten, dass er nicht mehr am Leben sei, mit seiner Autobiographie, «Er nannte sich Peter Surava», unerwartet an die Öffentlichkeit trat. Damit kehrte lebhaft nun wieder die Erinnerung zurück an den Journalisten, der als leitender Redaktor der Wochenzeitung «Die Nation» in den dreissiger Jahren und während des Zweiten Weltkrieges ein Mann des Widerstands gegen Anpassung ans Dritte Reich sowie gegen den schwelenden und offenen Antisemitismus in der Schweiz gewesen ist – der einzige gewiss nicht, doch einer, dessen Stimme weithin und unverklausuliert zu vernehmen war.

Doch die Ehrenrettung von Surava, den Behörden, Gerichte und journalistische Kollegen zur Unperson erklärt hatten, als man ihm Unredlichkeit im Umgang mit Geld nachweisen zu können glaubte, verdankt sich vor allem dem Film «Er nannte sich Surava», den Erich Schmid in geduldiger Zusammenarbeit mit dem einst Geächteten gestaltet hat und der, nach den Filmtagen in Solothurn 1995, durchs Land hin einen Siegeszug antrat. Knapp ein Jahr noch war Peter Surava, dessen bürgerlicher Name Peter Hirsch lautete, an Leben beschieden, als das Interesse an ihm aufbrach. Kein Zweifel, die Anstrengung, nun ohne Rast als Zeitzeuge befragt zu werden, hat an dem herzkranken alten Mann gezehrt. Erich Schmid, den Autor des Films und seinen Freund, hat er mit der Wartung des literarischen, des gesamten schriftlichen Nachlasses betraut. Aus dieser Betreuung stammt nun das vor kurzem erschienene Buch «Abschied von Surava».

Zum einen enthält der Band historisch aufschlussreiches Material aus dem Nachlass, zum anderen Texte verschiedener Autoren und Autorinnen, die zum Teil an der Rehabilitierung des Verfemten beteiligt waren. In der Mitte stehen die Gedichte, mit denen Peter Surava, seinen nahenden Tod fühlend, vom Leben Abschied genommen hat, Abschied von seiner Welt. Gedichte, makellos in ihrer Sprache, die tiefer in die Sensibilität dieses kämpferischen Mannes reichen, als seine journalistische Arbeit von einst vermuten liesse. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln gehen die Autoren – unter ihnen Helmut Hubacher, Manfred Schlapp, Otmar Hersche, Paul Ilg, Oskar Reck, Peter Kamber, Richard Dindo – die Persönlichkeit des Mannes an. Drei Lebensbereiche werden ausgeleuchtet: Suravas Bedeutung als Chronist und Mann des Widerstandes in der bedrohlichen Zeit des Nationalsozialismus; seine Existenz, als er während Jahrzehnten als verschollen galt oder totgeglaubt wurde; und die Rolle, die er in der Wahrnehmung damals und dann heute wieder gespielt hat.

Die Texte knüpfen zum Teil zwar an den Film von Erich Schmid an, weiten den Sichtkreis allerdings über den Film, der ja nicht jeden Aspekt seines Lebens behandeln konnte, erfreulich aus. Kein Text, in dem nicht zum Ausdruck käme die Betroffenheit über das Schicksal, das diesem Mann widerfahren ist; kein Text von älteren Autoren, der nicht voll Dankbarkeit gegenüber dem Journalisten wäre, der damals Mut gab; kein Text aber auch, der nun aus dem Verfemten der letzten fünfzig Jahre unversehens nur einen Helden machen würde. Gewiss, eine Symbolfigur braucht jede Gesellschaft, und «Abschied von Surava» hat auch diese Funktion einer humanistischen Dokumentation inne. Doch sichtbar wird der Mensch vor allem – insbesondere beim Lesen der im Band nachgedruckten Dialog- und Kommentarliste des Films.

[NZZ, 25.10.1996]


Auszüge aus den Buch-Rezensionen (PDF)

Zum Inhalt des Buches (PDF)

Dokumentation Schul-Fernsehen (5 Seiten, Dezember 1997, PDF)


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