Adolf Muschg – der Andere

(Adolf Muschg – der Andere)

Synopsis


Klaus Rosza im Einsatz
Adolf Muschg

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Film von Erich Schmid
Release: 2021, DCP

Adolf Muschg ist international wohl der bedeutendste lebende Schweizer Intellektuelle, der sich im Sinne eines Citoyens zu gesellschaftlichen und politischen Fragen äussert: als Schriftsteller und Essayist von Weltrang, als Präsident der Akademie der Künste in Berlin, als ETH-Professor für Literatur in Zürich, Lehrbeauftragter in Deutschland, Japan, den USA und Genève, als Träger wichtiger Literaturpreise und Mitglied zahlreicher Akademien.

Was ihn besonders auszeichnet, ist ein Lebensweg vom halbverwaisten Kind in einem damals ländlichen Vorort von Zürich bis zur internationalen Anerkennung, ein Weg über viele Klippen, innere und äussere Zwänge, Behinderungen und Demütigungen, die er in zahlreichen Essays, Romanen und Erzählungen verarbeitet hatte. Er ist buchstäblich Autor seiner selbst.

Der Film geht in die Kindheit zurück und thematisiert unter anderem die Auswirkung einer sexuell in der Kindheit missbrauchten Mutter auf die zweite Generation. Konkret geht es um schwierige Familienverhältnisse, die bei Adolf Muschg zu einer mit Fantasievorstellungen verknüpften Krankheit (Hypochondrie) führte, andererseits aber auch um den Rückweg von der Fantasie wieder zur Realität des geschriebenen Wortes – zur Kunst. So enträtselt der Film den Prozess der künstlerischen Leistung und macht die Zusammenhänge zwischen ihr und den literarisch verarbeiteten Erlebnissen transparent.

Als sein Vater kurz nach dem 2. Weltkrieg starb, war er 76 Jahre alt und Adolf war 14. Kurz vor seinem Tod kündigte der Vater im Glauben, Gott werde seine depressive Ehefrau schon heilen, deren Krankenkasse. Aber gegenüber den Folgen ihres sexuellen Missbrauchs blieb die Bibel machtlos. Die Mutter von Adolf Muschg litt nicht nur an suizidalen Neigungen, sondern geriet auch noch in Geldnot, weil sie ihre Klinikaufenthalte ohne Krankenkasse selbst bezahlen musste. Als gelernte Krankenschwester rackerte sie sich mit Nachtwachen ab, um sich und Adolf durchzubringen. Für Zuneigungen blieb keine Zeit mehr – ausser wenn er krank war. Dann pflegte sie ihn so intensiv, dass die Krankheit zum Krankheitsgewinn1 wurde. Liebe bekam Adolf nur durch Krankheit. Die Folge davon war eine schwere Hypochondrie, unter der Adolf Muschg sein ganzes Leben lang litt.

Nach dem Tod des Vaters wollten ihn seine Halbgeschwister aus erster Ehe in eine Schneiderlehre schicken. Da schritt ein Nachbar ein und ermöglichte ihm den Besuch des evangelischen Internats in Schiers. Um der psychisch kranken Mutter nicht zusätzlich zur Last zu fallen, wurde Adolf Muschg zum gefälligen Musterknaben, bis er sich einer Pfadfindertaufe widersetzte. Er ging fortan seinen eigenen Weg, der ihn später in die Welt hinaus führte: zuerst als Doktorand nach Cambridge (GB), dann als Dozent nach Tokio, später nach Göttingen und in die USA, wo er als Assistenzprofessor an der renommierten Cornell University in Ithaka die 68er-Unruhen erlebte. Dort wurde er politisiert. Er engagierte sich und schrieb fortan zahlreiche Romane, Essays und Theaterstücke.

Sein Leben war und ist eines zwischen den Welten. Heute noch, im Alter von 85 Jahren, residiert er alternierend in drei Ländern, in Kyoto, Berlin und in Männedorf am Zürichsee. Bis zur Pensionierung lehrte er 30 Jahre lang Literatur an der ETH Zürich und initiierte am Ende seiner Professur in der stillgelegten Semper-Sternwarte das Collegium Helveticum, wo heute Wissenschaft und Kunst zusammentreffen.

Einen Höhepunkt seiner Karriere erreichte Muschg mit dem Präsidium der Akademie der Künste in Berlin. Dort konnte er in seiner Amtszeit ihr neues Gebäude, ein Glaspalast, beim Brandenburger Tor eröffnen.

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1 Begriff in der analytischen Psychologie

 

 

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